Kompost: Gold für den Gemüsegarten
Nachdem wir im letzten Artikel unser neues Beet geplant haben, geht es heute um die Bodenfruchtbarkeit. Kompost wird oft als das „Gold des Gärtners“ (und der Gärtnerin) bezeichnet. Doch warum ist dieser Stoff so wertvoll und wie können wir seine vielen Vorteile auf unserem neuen Beet nutzen, damit unser Gemüse rundum gut versorgt ist und eine reiche Ernte abwirft?
Nützliche Wirkung von Kompost für die Bodenfruchtbarkeit

Unser Boden setzt sich aus mineralischer Substanz (verwittertes Gestein), Wasser, Luft und organischer Substanz zusammen. Wichtig für die Bodenfruchtbarkeit, also die Ernährung von Kulturpflanzen, ist die organische Substanz, die neben den Pflanzenwurzeln vor allem aus Humus (85 %) und Bodenlebewesen (5 %) besteht. Humus ist die im Boden enthaltene abgestorbene organische Substanz, zum Großteil zerkleinerte Pflanzenreste. Humus fördert ein stabiles Bodengefüge und verbessert dadurch die Durchlüftung und das Wasserhaltevermögen des Bodens. Die organische Substanz wird durch die Bodenlebewesen in Nährstoffe umgewandelt, die von den Pflanzenwurzeln aufgenommen werden können. Hierbei entsteht zudem CO2 für die Photosynthese der Pflanzen und das Bodenleben wird gefördert.
Gartenböden enthalten in der Regel ca. 5 bis 10 % Humus. Leider sind viele Böden (auch in Gärten) durch einen starken Humusabbau humusarm. Der Abbau von Humus wird durch eine intensive Bodenbearbeitung (z. B. Umgraben), einen hohen pH-Wert des Bodens (über 7), hohe Temperaturen, gute Durchfeuchtung und Belüftung sowie eine hohe Stickstoffversorgung angeregt. Der für das Pflanzenwachstum verbrauchte Humus muss stetig „nachgefüllt“ werden – hier kommt unser Kompost ins Spiel.
Möglichkeiten der Humusversorgung:
• Ernte- und Wurzelrückstände, die auf dem und im Boden belassen werden
• Gründüngungspflanzen auf freien Beetflächen
• Ernte- und Pflegeabfälle (Kompost/Grünschnitt)
• Abgelagerter Stalldung
• Naturstoffe wie Holzabfälle (Hackschnitzel)
Kompost ist eine Art vorverarbeitete organische Substanz, die wir direkt als Humus in den Boden einarbeiten können. Dort wird der Kompost von den Bodenorganismen weiter zerkleinert, „verdaut“ und in tiefere Schichten eingebracht. Der Boden erhält durch die entstehenden Ton-Humus-Komplexe eine stabile Krümelstruktur, die eine gute Durchlüftung, Wasserführung und Nährstoffweiterleitung an die Wurzeln unserer Pflanzen bewirkt. Bei der Kompostierung laufen die gleichen Prozesse ab wie bei der Humusbildung im Boden und der Kompost enthält selbst eine große Anzahl von Bodenlebewesen. Zudem kann Kompost als basische Substanz einer Versauerung des Bodens entgegenwirken. Durch die dunkle Farbe erwärmt sich der Boden im Frühjahr schneller.
Die organische Düngung (Kompost,Gründüngung, Stallmist, Hornspäne u. a.) als wichtigste Form der Humusversorgung des Bodens spielt für die Bodenfruchtbarkeit eine bedeutsame Rolle.
Kompost aufsetzen für eine schnelle Rotte

Für den Prozess der Verarbeitung von organischem Material zu Kompost, die sogenannte Rotte, werden eine Mischung verschiedener Materialien, Feuchtigkeit, Wärme und Zeit benötigt. Grüne, feuchte Materialien mit hohem Stickstoffgehalt (z. B. frischer Grasschnitt) werden mit braunen, trockenen Materialien mit hohem Kohlenstoffgehalt (z. B. geschnittene Zweige) gemischt. Hier kommt es auf das richtige Verhältnis von Kohlenstoff und Stickstoff (C/N-Verhältnis) an. Je weniger stickstoffreiches Material aufgesetzt wird, desto langsamer verrottet das kohlenstoffreiche Material. Im Idealfall beträgt das Verhältnis insgesamt 20:1 bis 30:1 (Kohlenstoff zu Stickstoff). Einige Beispiele zur groben Orientierung:
Hornspäne 3:1
Pflanzliche Küchenabfälle 10:1 bis 25:1
Rasenschnitt 12:1 bis 20:1
Grüne Gartenabfälle 20:1 bis 60:1
Kartoffelkraut 25:1
Getreidestroh 50:1 bis 150:1
Holzspäne 500:1
Falls möglich, sollten die Materialien zunächst getrennt gesammelt und dann zum Aufsetzen des Komposts zerkleinert, gemischt und geschichtet werden:
- Am Boden (mit direktem Erdkontakt) eine Schicht grobes Material (Äste) für Belüftung
- Darauf eine 15 bis 20 cm hohe Schicht der gemischten organischen Materialien
- Darauf ggf. dünn Algenkalk, Hornmehl, Urgesteinsmehl, Kompostbeschleuniger oder Komposthilfe streuen (Wirkung siehe unten)
- Darauf etwas Gartenerde oder fertigen Kompost geben
- Wenn nötig, mit etwas Regenwasser befeuchten
- In dieser Reihenfolge (ab dem zweiten Punkt) weiter bis zur Endhöhe (max. 130 cm) aufschichten und mit einer dünnen Erdschicht oder luftdurchlässigen Abdeckung aus Gras, Laub, Jutesack o. Ä. bedecken (bei Kompostbehälter nicht nötig)
| 😊 Kann auf den Kompost | ☹ Lieber nicht |
| Gras, Laub, Wurzeln, Moos, Gehölzschnitt, Reste von Stauden, Beet- und Balkonpflanzen, Gemüse- und Obstabfälle aus dem Garten, mäßige Mengen Fallobst, gebrauchte Blumenerde, Bio-Gemüse- und -Obstreste (gekauft), Schalen von gekochten Eiern, Teebeutel/Kaffeesatz (wenn Bio), kleine Mengen gehäckseltes Stroh, Holzhäcksel, Schnittblumen, Topfpflanzen, Tierhaare | Staubsaugerbeutel und Inhalt, Grillkohlereste, Asche, ranke Pflanzenteile, Unkraut mit Samen, Wurzelunkraut, gekochtes Essen, Fett, Speiseöl, Fleisch, Fisch, Teigwaren, Käserinde, Knochen, Brot, Schalen von rohen Eiern, Zeitungen, Papier, Windeln, Taschentücher, Toilettenpapier, Fäkalien, Tierstreu, Glas, Keramik, Kunststoff, Folien, Gummi, Knochen, Metalle |
Bei der Kompostbereitung können verschiedene Zuschlagstoffe eingesetzt werden, um den Prozess oder den entstehenden Kompost zu optimieren. Folgende Stoffe sind möglich und werden dünn über die einzelnen Materialschichten gestreut:
- Algenkalk bindet Säuren und verbessert die Struktur des Komposts
- Hornmehl gleicht Stickstoffmangel im Kompost aus, verbessert das C/N-Verhältnis
- Urgesteinsmehl fördert die Bildung von Ton-Humus-Komplexen (Krümelstruktur)
- Kompostbeschleuniger regt die Rotte an und beschleunigt den Abbau der Materialien
- Komposthilfe (z. B. Brennnesselschnitt, Humofix) bewirkt eine reiche Vermehrung der Bodenlebewesen im Kompost
Wann ist der Kompost fertig?

Kressetest:
Mit Kresse lässt sich testen, ob Kompost als Reifkompost verwendet werden kann. Dazu eine kleine Schale mit etwas Kompost füllen und diesen gut anfeuchten, Kressesamen darauf streuen und andrücken und die Schale mit einer Folie abdecken. Wenn die Samen nach 3 bis 4 Tagen aufgegangen und die Kresseblätter auch nach 1 Woche noch grün sind, ist der Kompost reif und kann wie beschrieben verwendet werden.
Geduld ist wichtig, wenn es um Kompost geht. Um die wertvollen Humusstoffe und Nährstoffe zu nutzen, sollte der Kompost etwa ein halbes Jahr (im Sommer) bis spätestens ein Jahr (ab Herbst) nach dem Aufsetzen verwendet werden. Je nach Zersetzungsgrad wird in Rohkompost (Frischkompost) und Reifkompost unterschieden.
Rohkompost ist bei normalem Rotteverlauf schon nach ca. 10 Wochen einsatzbereit. Er ist reich an Nährstoffen, fördert das Bodenleben, riecht frisch und hat eine grobe Struktur; viele Ausgangsmaterialien sind noch erkennbar. Rohkompost darf nicht in direkten Kontakt mit Pflanzenwurzeln kommen, sondern sollte nur oberflächlich als eine Art düngende Mulchschicht auf das Beet aufgebracht und nicht an Wurzelgemüse, Kohl oder Zwiebelgewächsen verwendet werden.
Reifkompost steht bei normalem Rotteverlauf nach ca. 6 Monaten bereit. Er ist nahezu vollständig zersetzt, hat
eine feinkrümelige Struktur und einen erdigen Geruch. Reifkompost ist ärmer an Nährstoffen, führt dem Boden
aber wertvolle organische Substanz zu, welche die Bodeneigenschaften verbessert. Er kann z. B. Pflanzerde beigemischt, in Pflanzlöcher gegeben oder auf Saat- /Pflanzbeeten eingearbeitet werden. Solange sich im Kompost noch Asseln und Springschwänze befinden, ist er mit Sicherheit noch nicht reif!
Probleme beim Kompostieren
Ein ungünstiger Verlauf der Rotte kann verschiedene Ursachen haben. Die folgende Tabelle nennt mögliche Probleme und Ursachen und zeigt auf, was wir tun können, um den Kompost zu retten und die Rotte wieder ordnungsgemäß in Gang zu bringen:
| Problem | Ursache | Abhilfe |
| Kompost ist zu nass oder stinkt | Zu viele feuchte Abfälle, Luftmangel, verdichtetes Material | Kompost umsetzen, grobes Material (Stroh, Häckselgut) untermischen, vor Regen schützen |
| Kompost ist zu trocken | Starke Sonneneinstrahlung, zu wenig Grüngut | Mit Regenwasser befeuchten, frisches Material (Rasenschnitt, Brennnesselaufguss) zugeben |
| Kompost wird nicht heiß | Zu wenig stickstoffreiches Material, schlechte Durchmischung | Küchenabfälle oder frischen Rasenschnitt untermischen, regelmäßig wenden |
| Kompost ist zu heiß | Zu viel Grüngut, zu wenig Strukturmaterial | Holzhäcksel oder Stroh zugeben, Kompost halbieren und umsetzen |
| Kompost verrottet langsam | Zu trocken oder zu feucht, zu viele holzige Stoffe | Stickstoffreiches Material ergänzen, Feuchtigkeit prüfen, regelmäßig umsetzen |
| Unerwünschte Tiere (Ratten, Fliegen) | Frei liegende Speisereste, Fleisch oder gekochte Abfälle | Abfälle mit Erde abdecken, keine tierischen Produkte kompostieren, Boden mit Drahtgitter sichern |
| Schimmelbildung | Zu feucht, zu wenig Luftzirkulation | Kompost lockern, trockenes Material untermischen, Standort prüfen |
| Unkraut wächst im Kompost | Samenhaltiges Material, zu niedrige Temperaturen | Heißrotte fördern, Unkraut vor dem Kompostieren welken lassen |