Die kleingärtnerische Nutzung

Was heißt das? Warum ist das nötig? Wie setze ich das um?

Unsere Gärten werden uns von unserem Kleingartenverein als „Kleingarten“ zu einem günstigen Pachtzins überlassen. Anders als bei Wochenend- und Erholungsgärten gilt für unsere Gärten das Bundeskleingartengesetz. Danach dient der Kleingarten der kleingärtnerischen Nutzung, d. h. dem Anbau von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf und der Erholung.

Die kleingärtnerische Nutzung ist nicht nur für unseren Pachtvertrag mit unserem Kleingartenverein relevant, sondern auch für die Verpachtung der gesamten Flächen durch den Stadtverband Leipzig der Kleingärtner (SLK) an unseren Verein. Diese Verpachtung ist an den gemeinnützigen Status unseres Vereins geknüpft. Um die Gemeinnützigkeit unseres Vereins zu sichern und unseren Pachtvertrag zu erfüllen, müssen wir unsere Parzellen kleingärtnerisch nutzen.

Ob die kleingärtnerische Nutzung erfüllt ist, bestimmt sich anhand der Drittel-Regelung. Danach ist die kleingärtnerische Nutzung dann gegeben, wenn auf mindestens 1 Drittel der Gartenfläche Obst und Gemüse, in geringem Maße auch Kräuter, Feldfrüchte und Kulturpilze, angebaut werden. Der Anbau von Obst und Gemüse muss dabei die Gartenparzelle maßgeblich prägen und eine Vielfalt aufweisen.

Gesamte Gartenfläche
AnbauErholungBebauung
 Beetflächen zum Anbau von Gemüse, Früchten und
Kräutern, in Mischkulturen
auch mit einjährigen Blumen

 Flächen mit Obstgehölzen
(Kernobst, Steinobst,
Beerenobst und anderes
Edelobst), freistehend und am Spalier (max. 50 % des
Drittels)

Gewächshäuser, Frühbeete,
Hochbeete, Hügelbeete,
Kräuterspirale u. a., bepflanzte
Kompoststellen, Edelpilzkulturen
Steingartenflächen, Blumenstauden

Ziergehölze und
Wildobstgehölze

Biotope, Gartenteiche

 Wiesen und Rasenflächen
Gartenlaube, Terrasse

Wege

Spielmöglichkeiten für
Kinder

Nähere Informationen enthält die Anlage 1 der neuen Kleingartenordnung des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner. Die Kleingartenordnung findet ihr hier in der aktuellen Fassung vom November 2024.

Wie ist das zu schaffen?

Die geforderte Gartenfläche mit Obst und Gemüse zu bewirtschaften, kann eine Herausforderung darstellen. Daher habe ich einige Ideen gesammelt, wie wir unsere Mindestanbaufläche mit weniger Aufwand erreichen können:

Einfach anzubauende und „ausladende“ Gemüse

Beispiele: Zucchini, Kürbis, Kartoffeln, Buschbohnen, Mangold, Rhabarber

Vorteil: Die Pflanzen füllen größere Flächen, sind relativ einfach in der Anzucht und Pflege und bringen hohe Erträge. So lassen sich z. B. mit nur 2 Zucchini- oder Kürbis-Pflanzen schon ca. 2 m² abdecken. Der Samen wird einfach Mitte bis Ende Mai in den Boden gesteckt und feucht gehalten. Die Pflanze wächst recht schnell und benötigt wenig Pflege, nur regelmäßig gießen und ab und zu etwas Unkraut entfernen. Fertig!

Vorgezogene Pflanzen kaufen und mehrjährige Gemüse und Kräuter anbauen

Beispiele für mehrjährige Gemüse und Kräuter: grüner Spargel, ewiger Kohl, Etagenzwiebel, Winterheckenzwiebel, Schnittknoblauch, Baumspinat, Topinambur, Rhabarber, Salbei, Oregano, Rosmarin, Liebstöckel

Vorteil: Der Aufwand für die Pflanzenanzucht entfällt bzw. ist gering. Die Voranzucht von Gemüsepflanzen für die neue Gartensaison kann recht aufwändig werden, vor allem, wenn man kein eigenes Frühbeet oder Gewächshaus und keinen Balkon hat oder der Garten zu weit entfernt ist, sodass ein Frühbeet oder Gewächshaus nicht täglich gelüftet werden kann. Um den Aufwand gering zu halten und trotzdem viel Gemüse anzubauen, können Jungpflanzen bei Gärtnereien oder im Gartenmarkt eingekauft oder beim Pflanzentausch abgestaubt werden. Eine weitere Möglichkeit ist der Anbau von mehrjährigem Gemüse, bei dem die Anzucht zumindest ab dem zweiten Jahr ganz entfällt. So können wir uns einfach nur auf die Pflanzenpflege und vor allem das Ernten konzentrieren.

Nachwachsende Blattgemüse

Beispiele: Schnitt- und Pflücksalat, Mangold, Blattkohl

Vorteil: Kein oder wenig Aufwand fürs Nachpflanzen. Salat, Mangold und Blattkohl können blattweise geerntet werden. Wenn wir bei einer Reihe von Salaten nur einige Blätter von außen abschneiden, haben wir womöglich genug fürs Abendessen, und der Salat wächst im Beet einfach weiter und bildet neue Blätter. So geht es über Wochen und Monate, zumindest bis der Salat aufzuschießen beginnt. Das gleiche Glück bei Mangold und Blattkohl (z. B. Palmkohl). Einmal pflanzen, lange ernten!

Direktsaat in Hochbeeten

Beispiele: Radieschen, Kohlrabi, Frühlingszwiebel, Mohrrüben, rote Bete, Pflücksalat


Vorteil: Flächen werden schnell gefüllt, Pflanzen wachsen gut durch schnellere Erwärmung der Erde im Hochbeet im Vergleich zum Boden, Jungpflanzen können im Hochbeet mithilfe von Vlies gut vor Kälte, Wärme, Schädlingen geschützt werden. Nur: regelmäßig gießen!

Beerensträucher oder -stämmchen

Beispiele: Himbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren, Blaubeeren


Vorteil: Jede Pflanze (Strauch oder Stämmchen) deckt ausgewachsen eine größere Fläche von ca. 1 m² ab. Die Pflanzen lassen sich relativ einfach pflegen: nur einmal im Frühjahr schneiden und düngen und regelmäßig bei Hitze gießen. Sie sind langlebig und liefern Jahr für Jahr leckere Früchte mit gutem Ertrag!

Schonende Bodenbearbeitung ohne Umgraben

Vorteil: Kein Aufwand fürs Umgraben, keine Rückenschmerzen. Den Boden jedes Jahr umzugraben, ist nicht notwendig und bringt sogar die Bodenorganismen durcheinander. Besser ist es, den Boden mit der Grabegabel schonend zu lockern und zu lüften. Dazu wird die Grabegabel eingestochen und ein paar Mal hin- und herbewegt. Anschließend kann der Boden oberflächlich mit einem Grubber, einer Hacke und einer Harke bearbeitet und für die Aussaat oder Pflanzung vorbereitet werden.

Mulchen

Vorteil: Geringerer Aufwand fürs Gießen und Jäten, Grünschnitt muss nicht zum Wertstoffhof gebracht werden, langfristiger Humusaufbau im Boden durch Flächenkompostierung. Heckenschnitt, Laub, Rasenschnitt und andere Pflanzenteile können gehäckselt oder kleingeschnitten als Mulch unter Hecken und Beerensträuchern oder auf Beeten verwendet werden. Die gejäteten Beete werden ca. 5 bis 10 cm dick mit dem Mulch bedeckt, wobei um Pflanzen herum einige Zentimeter frei bleiben. Der Mulch verringert die Verdunstung von Feuchtigkeit aus dem Boden, schützt das Bodenleben und unterdrückt aufkeimende Samenunkräuter. Aber Achtung: Frisches Material sollte nur dünn aufgebracht und nach dem Welken nachgelegt werden. Es dürfen nur gesunde Pflanzenteile als Mulch verwendet werden. Vorsicht ist bei Rindenmulch von Nadelbäumen geboten, da dieser den pH-Wert des Bodens saurer machen und wachstumshemmende Gerbstoffe enthalten kann. Festere Mulchmaterialien wie Holzhackschnitzel oder Stroh entziehen dem Boden bei ihrer Zersetzung Stickstoff. Es sollte daher zusätzlich etwas gedüngt werden (z. B. mit Hornspänen).